Was sind Biomarker bei Krebs?
Biomarker sind messbare Eigenschaften von Tumorzellen, Gewebe oder Körperflüssigkeiten. Sie können zur genaueren Charakterisierung einer Erkrankung, zur Abschätzung des Verlaufs oder zur Planung einer Behandlung beitragen. In der Präzisionsonkologie sind insbesondere sogenannte prädiktive Biomarker wichtig: Sie können Hinweise darauf geben, ob eine bestimmte zielgerichtete Therapie oder Immuntherapie bei einem passenden Tumor grundsätzlich relevant sein könnte.
Biomarker ersetzen dabei weder Histologie und Bildgebung noch die klinische Beurteilung. Nicht jeder Marker ist bei jeder Krebsart sinnvoll, und ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass eine bestimmte Behandlung geeignet oder wirksam ist.
Welche Biomarker können für die Therapieplanung relevant sein?
PD-L1, MSI/dMMR und Tumormutationslast
Bei ausgewählten Tumorerkrankungen können PD-L1 sowie eine Mikrosatelliteninstabilität (MSI) beziehungsweise ein Defekt der DNA-Mismatch-Reparatur (dMMR) für die Beurteilung bestimmter Immuntherapien relevant sein. Auch die Tumormutationslast (TMB) wird in definierten Situationen berücksichtigt. Bedeutung und Grenzwerte sind tumorspezifisch.
HER2 und Hormonrezeptoren
HER2 sowie Östrogen- und Progesteronrezeptoren sind beispielsweise bei Brustkrebs etablierte Merkmale für die Therapieplanung. HER2 kann darüber hinaus auch bei weiteren Tumorarten therapeutisch relevant sein. Entscheidend sind jeweils die konkrete Diagnose und die dafür geltenden Empfehlungen und Zulassungen.
EGFR, ALK, ROS1, BRAF, KRAS und weitere Treibermutationen
Bei bestimmten soliden Tumoren können Veränderungen in Genen oder Signalwegen wie EGFR, ALK, ROS1, BRAF oder KRAS die Auswahl zielgerichteter Therapien beeinflussen. Welche Veränderungen untersucht werden sollten, unterscheidet sich deutlich zwischen den Tumorarten.
BRCA1/2 und HRD
Veränderungen in BRCA1 oder BRCA2 und – in bestimmten Erkrankungssituationen – Hinweise auf eine homologe Rekombinationsdefizienz (HRD) können für die Therapieplanung relevant sein. Dabei muss unterschieden werden, ob eine Veränderung nur im Tumor vorliegt oder möglicherweise erblich ist; eine genetische Beratung kann dann eine zusätzliche Rolle spielen.
NTRK und seltene molekulare Veränderungen
Einige seltene Veränderungen wie NTRK-Fusionen können tumorübergreifend therapeutisch relevant sein. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen kann deshalb je nach Tumorart und bereits ausgeschöpfter Standarddiagnostik eine breitere molekulare Untersuchung erwogen werden.
Biomarker sind nicht dasselbe wie klassische Tumormarker
Begriffe wie PSA, CEA, CA 19-9 oder CA 125 werden häufig als Tumormarker bezeichnet. Solche Werte können in bestimmten Situationen für Verlaufskontrolle oder Nachsorge hilfreich sein, eignen sich aber nicht automatisch zur Auswahl einer zielgerichteten Therapie. Molekulare oder immunhistochemische Biomarker beantworten andere Fragen.
Wie werden Biomarker untersucht?
Je nach Fragestellung kommen unter anderem Immunhistochemie, PCR, In-situ-Hybridisierung und Sequenzierungsverfahren zum Einsatz. Häufig wird Tumorgewebe untersucht. In ausgewählten Situationen kann auch zirkulierendes Tumormaterial im Blut – häufig als Liquid Biopsy bezeichnet – zusätzliche Informationen liefern. Welche Methode geeignet ist, hängt vom gesuchten Marker, verfügbaren Material und klinischen Kontext ab.
Wann kann eine breitere molekulare Diagnostik interessant werden?
Besonders bei fortgeschrittenen Erkrankungen, seltenen Tumoren oder nach mehreren Therapielinien kann sich die Frage stellen, ob bereits alle für die jeweilige Tumorart relevanten molekularen Befunde vorliegen. Eine breite Untersuchung ist jedoch nicht automatisch für jeden Patienten sinnvoll und nicht jeder gefundene Marker führt zu einer zugelassenen Therapie.
Therapiemöglichkeiten bei fortgeschrittenem Krebs →
Welche Unterlagen sollte man für eine Therapieprüfung zusammentragen?
- Histologie- und Pathologiebefund
- aktuelles Stadium und Bildgebung
- bisherige Therapien einschließlich Ansprechen und Progression
- bereits vorhandene Immunhistochemie
- molekularpathologische oder genetische Befunde
- relevante Labor- und Verlaufswerte
Oft ist zunächst nicht ein neuer Test die wichtigste Frage, sondern ob bereits durchgeführte Untersuchungen vollständig vorliegen und zur aktuellen Erkrankungssituation passen.
Biomarker und Immuntherapie
Auch für Immuntherapien gibt es keine einzelne Untersuchung, die bei allen Krebsarten zuverlässig vorhersagt, ob eine Behandlung wirkt. Je nach Erkrankung können unterschiedliche Marker und klinische Faktoren gemeinsam in die Entscheidung einfließen.
Immuntherapie bei Krebs: Verfahren und Voraussetzungen →
Vorhandene Befunde strukturiert einordnen
Im Therapie-Navigator können Diagnose, bisherige Behandlung und bereits bekannte Biomarker zunächst ohne Kontaktdaten strukturiert werden. Daraus lässt sich erkennen, welche Informationen für eine weitergehende individuelle Prüfung möglicherweise noch fehlen.
Therapie-Navigator ohne Kontaktdaten starten Individuelle Anfrage stellen
Weiterführende unabhängige Informationen
Für die redaktionelle Einordnung werden unter anderem unabhängige Fachinformationen und aktuelle onkologische Leitlinien berücksichtigt. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums erläutert die molekulare Diagnostik, die unterschiedlichen Funktionen von Biomarkern und deren Grenzen ausführlich.
