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Dendritische Zellen und dendritische Zelltherapie

Von der Immunbiologie und dem Nobelpreis bis zur GMP-Herstellung, kontrollierten Lieferung, Lagerung, Applikation, Kombinationstherapie und begleitenden Verlaufskontrolle.

IMMUMEDIC – dendritische Zelltherapie: Ansätze und Anwendungen
Übersicht zur dendritischen Zelltherapie – ergänzend zu den ausführlichen Fachinformationen auf dieser Seite.
Kurzantwort: Bei dendritischen Zelltherapien werden patientenbezogene dendritische Zellen genutzt, um Tumorantigene zu präsentieren und eine gezielte Immunantwort zu unterstützen. Welche klinische Bedeutung dies im Einzelfall hat, hängt von Tumorart, Krankheitsstadium, Verfahren und Studienlage ab.
Immunologische Grundlagen

Was sind dendritische Zellen?

Dendritische Zellen gehören zu den wichtigsten antigenpräsentierenden Zellen des Immunsystems. Sie nehmen Antigene und Bestandteile veränderter Zellen auf, verarbeiten diese und präsentieren charakteristische Strukturen über MHC-Moleküle an T-Zellen.

Damit bilden sie eine funktionelle Verbindung zwischen der frühen Immunerkennung und einer gezielten adaptiven Immunantwort. Entscheidend ist nicht nur die Aufnahme eines Antigens, sondern auch der Reifungszustand der dendritischen Zelle, die Kostimulation und das umgebende immunologische Milieu.

1

Antigenaufnahme

Dendritische Zellen erfassen Proteine, Zellbestandteile und tumorbezogene Antigenstrukturen.

2

Verarbeitung

Die aufgenommenen Informationen werden zerlegt und für die Antigenpräsentation vorbereitet.

3

T-Zell-Aktivierung

Antigenpräsentation und kostimulatorische Signale können eine spezifische T-Zell-Antwort unterstützen.

Nobelpreis 2011

Ralph M. Steinman erhielt 2011 die Hälfte des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin für die Entdeckung der dendritischen Zelle und ihrer Rolle in der adaptiven Immunität. Diese Entdeckung schuf eine wichtige Grundlage für moderne Impfstoff- und Immuntherapiekonzepte.

Was bedeutet dendritische Zelltherapie?

Bei einer patientenbezogenen dendritischen Zelltherapie werden geeignete Ausgangszellen gewonnen und unter kontrollierten Laborbedingungen zu dendritischen Zellen entwickelt. Anschließend werden sie mit der vorgesehenen tumorbezogenen Antigenquelle in Kontakt gebracht, gereift, qualitätskontrolliert und nach Freigabe appliziert.

Das konkrete Verfahren kann sich nach Ausgangsmaterial, Antigenquelle, Reifungsprotokoll, Tumorart, Krankheitsstadium und begleitenden Therapiemaßnahmen unterscheiden. Deshalb ist eine individuelle medizinische und laborspezifische Planung notwendig.

Keine Heilversprechen: Die biologische Zielsetzung einer Immunaktivierung ist nicht mit einer garantierten individuellen Wirkung gleichzusetzen. Ergebnisse müssen immer im Zusammenhang mit Tumorart, Krankheitsverlauf, Diagnostik und weiteren Therapiemaßnahmen beurteilt werden.
Herstellung

Herstellung im GMP-Labor

Die Herstellung erfolgt nach einem dokumentierten und kontrollierten Verfahren. Die produktspezifischen Schritte und Freigabekriterien werden vom verantwortlichen Labor festgelegt.

Medizinische Ausgangsprüfung

Prüfung von Diagnose, Allgemeinzustand, Blutbild, aktuellen Therapien, Infektionen, Organfunktion und möglichen Ausschlussgründen.

Blutentnahme

Gewinnung des benötigten Ausgangsmaterials nach abgestimmtem Abnahme- und Transportplan.

Zellaufarbeitung

Isolierung beziehungsweise Anreicherung geeigneter mononukleärer Zellen und Monozyten.

Differenzierung

Entwicklung geeigneter Vorläuferzellen zu dendritischen Zellen unter definierten Kulturbedingungen.

Antigenbeladung

Kontakt mit der vorgesehenen tumorbezogenen Antigenquelle, zum Beispiel Tumormaterial, Peptiden, Proteinen oder RNA-basierten Informationen.

Reifung

Entwicklung eines Funktionsprofils, das Antigenpräsentation, Migration und T-Zell-Stimulation unterstützen soll.

Qualitätskontrolle

Produktspezifische Prüfung unter anderem von Zellzahl, Vitalität, Identität, Reinheit und mikrobiologischer Sicherheit.

Freigabe

Dokumentierte Freigabe, Vorbereitung der Applikationen und kontrollierte Übergabe an die behandelnde Einrichtung.

Ablauf der Applikationen

Im häufig verwendeten Ablauf werden zunächst vier Applikationen in ungefähr monatlichen Abständen geplant. Je nach Tumorart, Krankheitsverlauf, Studienprotokoll und ärztlicher Beurteilung kann der Umfang erweitert werden. Bei einzelnen Tumorerkrankungen, beispielsweise beim Glioblastom, werden in Studien auch längere Applikationsserien beschrieben.

  1. Nach der Laborfreigabe erfolgt die kontrollierte Lieferung der vorgesehenen Applikationen in tiefgefrorenem Zustand.
  2. Die erste Dosis wird nach Erhalt entsprechend der Laboranweisung vor der Anwendung aufgetaut.
  3. Die weiteren Dosen werden unmittelbar nach Übernahme entsprechend den vorgegebenen Temperaturbedingungen tiefgekühlt gelagert.
  4. Vor jeder vorgesehenen Anwendung wird die jeweilige Dosis nach Laboranweisung aufgetaut.
  5. Charge, Lagerung, Auftauzeit, Applikation und mögliche Reaktionen werden durch das medizinische Personal dokumentiert.
Verbindlich sind ausschließlich die Begleitunterlagen des herstellenden Labors. Temperatur, Lagerdauer, Auftauzeit, Transport und Anwendung dürfen nicht eigenständig verändert werden. Die häufig genannte Auftauzeit von etwa 15 Minuten gilt nur, wenn sie durch die konkreten Laborunterlagen bestätigt wird.

Therapiedauer und Verlaufskontrolle

Ein individualisierter Therapieverlauf kann sich über etwa fünf bis sechs Monate erstrecken. Anzahl und Abstand der Applikationen richten sich nach der Tumorerkrankung, den Blutwerten, der Therapiedynamik und der medizinischen Gesamtplanung.

Immunstatus-Check

Eine Messung vor Beginn beschreibt die immunologische Ausgangslage. Eine zweite Messung ermöglicht eine strukturierte Verlaufskontrolle.

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Tumorzählung und Tumordynamik

Ausgangs-, Zwischen- und Abschlussmessung ermöglichen eine dynamische Betrachtung anstelle eines isolierten Einzelwerts.

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Was geschieht bei ungünstigen Blutwerten?

Wenn Blutbild, Immunzellverteilung, Infektionslage oder Organfunktion keine geeigneten Voraussetzungen für die Zellgewinnung bieten, kann die Blutentnahme verschoben werden. Zunächst werden mögliche Ursachen geprüft, beispielsweise eine kürzlich erfolgte Chemotherapie, Steroidgabe, Infektion, Entzündung oder ein Mangelzustand.

Nach medizinischer Stabilisierung können Blutbild und gegebenenfalls Immunstatus erneut kontrolliert werden. Unterstützende Infusions- oder Injektionsmaßnahmen dürfen nur nach individueller ärztlicher Beurteilung erfolgen.

Gesamtkonzept

Mögliche Kombinationstherapien

Dendritische Zelltherapie wird häufig nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit einem multimodalen Behandlungskonzept betrachtet. Welche Kombination sinnvoll erscheint, hängt wesentlich von Tumorart, Stadium, Biomarkern, Krankheitsgeschwindigkeit und bereits laufenden Maßnahmen ab.

Therapiemaßnahme Möglicher Zusammenhang mit DZT Wichtige Prüfpunkte
Operation Verringerung der Tumormasse und mögliche Gewinnung von Tumormaterial. Wundheilung, Zeitpunkt, Pathologie und Antigenquelle.
Chemotherapie Tumorzellzerfall kann Antigenfreisetzung beeinflussen; zugleich können relevante Immunzellwerte vorübergehend sinken. Blutbild, Monozyten, Lymphozyten, Zyklusabstand und Infektion.
Strahlentherapie Lokale Zellschädigung kann immunologische Signale und Antigenfreisetzung verändern. Bestrahlungsfeld, Dosis, Entzündungsreaktion und Reihenfolge.
Checkpoint-Inhibitoren Aktivierte T-Zellen und die Verringerung inhibitorischer Signale könnten sich ergänzen. Autoimmunrisiken, Organwerte, zugelassene Indikation und Timing.
Hormon- und zielgerichtete Therapie Tumorkontrolle kann mit einer begleitenden immunologischen Strategie verbunden werden. Wirkstoff, Biomarker, Nebenwirkungen und Therapieerfolg.
Hyperthermie und weitere Verfahren Zellstress und immunologische Veränderungen werden als mögliche ergänzende Mechanismen untersucht. Tumorart, Verfahren, Kreislaufbelastung und wissenschaftliche Evidenz.

Allgemeine Studien und Forschung

Studien zu dendritischen Zellverfahren unterscheiden sich deutlich nach Zellprodukt, Antigenquelle, Reifung, Applikationsweg, Tumorart und klinischem Endpunkt. Ergebnisse eines bestimmten Verfahrens dürfen daher nicht ohne Weiteres auf andere Produkte übertragen werden.

NCI: Cancer Treatment Vaccines

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NCI: Therapeutic autologous dendritic cells

Klinische Studien öffnen →

Trial watch: anticancer vaccination with dendritic cells

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The role of dendritic cells in cancer immunity

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Für welche Tumorarten kann eine Prüfung erfolgen?

Eine strukturierte Prüfung kann unter anderem bei Glioblastom, Lungenkrebs, Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs, Pankreaskrebs, Melanom, Eierstockkrebs, Magenkrebs und Blasenkrebs erfolgen. Die Einordnung unterscheidet sich jedoch grundlegend nach Tumorart, Krankheitsstadium und bisherigen Therapiemaßnahmen.

Redaktionelle Einordnung: Die Inhalte sind allgemeine Fachinformationen. Sie ersetzen keine persönliche ärztliche Untersuchung, Diagnose, Aufklärung oder Therapieentscheidung.
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